[Dieser Artikel wurde auch auf sugarbox.at veröffentlicht]

Gina-Lisa Lohfink, von dem Missy-Magazin zurecht als Heldin tituliert, kämpft für sich und, nach eigenen Aussagen, für alle Frauen, eine unfassbare Angelegenheit aus: Ihre Vergewaltigung wurde auf Video aufgenommen und landete vor Gericht, weil die Täter es unter dem Titel „Vergewaltigungsvideo von Gina-Lisa!! Nagelneu“ an Pornoseiten verkaufen wollten, deren Betreiber das Material an die Polizei übergaben. Auf dem Video sieht man, laut geschlossen allen Beschreibungen, Gina-Lisa Lohfink offensichtlich stark benommen und immer wieder „Hör auf“ sagen. Mensch möchte meinen, dass dies vor Gericht eine klare Sache ist, leider ist das ein Irrtum. Nicht etwa die Täter wurden bestraft, sondern das Opfer wegen angeblicher Falschbeschuldigung. Ja, wir schreiben das Jahr 2016, ja, die Vergewaltigung gibt es auf Video, ja die Täter verhandelten es unter dem Titel „Vergewaltigungsvideo“, ja das Opfer wurde dafür bestraft und ja, das ist kein Witz.

Und die Vergewaltigung von Gina-Lisa Lohfink ist auch kein Witz. Außer leider für Atze Schröder und ein offenbar unterirdisch unterhalbares Publikum, welches sich durch ein nach allen Regeln der Kunst zu tiefst unlustiges und geschmackloses Werbevideo angesprochen fühlen soll, in dem sich Schröder über eine etwaige Retraumatisierung Gina-Lisa Lohfinks lustig macht.

(Update: das Video wurde mittlerweile offenbar von YouTube gelöscht, Gedächnisprotokoll des Inhalts: Atze Schröder hält eine Bratwurst von der Firma „Wiesenhof“ in die Höhe und meint dabei spöttisch, dass dieses Würstchen so groß ist, dass Gina Lisa deswegen glatt „Traumatherapie“ machen müsse)

Mein juristisches Know-How kratzt gerade mal an Grundlagenwissen und das einzige womit ich operieren kann ist ein Gerechtigkeitssinn, der sich bekanntlich alles andere als in der Gesetzeslage niederschlagen muss, denn ich finde, dass die Präpotenz, Ignoranz und Gewalttätigkeit so ein Werbevideo zu designen, abzudrehen und allen Ernstes zu veröffentlichen nur noch die Möglichkeit einer saftigen Klage gegen Schröder und Wiesenhof erträglich machen könnte und nicht einmal dann. Zumindest aber würde es ein deutliches Zeichen setzen gegen die unsägliche frauenhassende und gewaltvolle Machogesellschaft in die sich so ein Spot unbekümmert einbetten kann und auch noch Lacher findet.

Der wahre Witz ist die angebliche Reue des ohnehin unwahrscheinlich schlechten „Komikers“, der das Humornivau eines jeden Kindergartenkindes unterbietet, dem keine Pointe zu tief oder zu witzlos ist und deshalb selbstredend genau wusste, was er da sagt, kurz bevor er es „bereute“. À la eine Vergewaltigung für ein Grillgut bitte, das nach so einem Werbevideo wirklich nur noch einer Klientel schmecken kann, der ich um nichts in der Welt nachts und auch tagsüber begegnen will und auf das sich aber Werbestrateg*innen in einer bis ins Mark misogynen Gesellschaft ganz offensichtlich verlassen.

Auch witzlose Witze haben in einer offenen Gesellschaft Platz, selbst wenn sie nur gehirnamputierte und flachwichsende Marathonsäufer erreichen. Keinen Platz dürfen aber „Witze“ haben, die sich über die Traumatisierung vergewaltigter Frauen lustig machen und somit die Traumatisierungskette und Gewalt gegen Frauen prominent fortsetzen und betreiben in einer Gesellschaft, die immer noch (zumindest am Papier) vorgibt, Gewaltverbrechen an Frauen zu verurteilen.

Ich wünsche Wiesenhof & Schröder den Bankrott und das ist noch das Netteste, was mir dazu einfällt.

paulaשspock