….nennen sie es Pinkwashing.

Der Einfallsreichtum Israel zu diffamieren kennt offenbar keine Grenzen. Linke Aktivist*innen werfen Israel vor, angeblich PR für sich mit dem Fakt zu machen, dass es homosexuelle Mitmenschen nicht diskriminiert. Zum Beispiel, indem das Militär schwule, israelische Soldaten auf Facebook zeigt. Sie meinen Israel wasche sich und die von ihnen imaginierte „Apartheid“ über das Instrument Homosexuelle damit „pink“. Als wäre es auch nur im entferntesten ungewöhnlich oder ein Widerspruch, dass Staaten, die in Kriege verwickelt sind, gleichzeitig Toleranz und Support gegenüber Homos leben. Die USA tun es, Frankreich tut es, Deutschland tut es, Liste fortsetzbar. Wenn die größte jüdische Gemeinschaft der Welt es aber tut, wird es dämonisiert, bekommt einen Namen und wird damit als gesondert ausgewiesen und öffentlich stigmatisiert, aktuell mit dem Begriff „Pinkwashing“. Vor dem Hintergrund noch dazu, dass Israel der einzige sichere Ort für Queers ist, wo Homosexualität überall sonst im Nahen Osten verfolgt oder mit dem Tod bestraft wird, kann so ein Aktionismus eigentlich nur mehr sarkastisch gemeint sein.

IDFSCHWUL

Teresa Eder bemerkt im Standard dazu treffend: „Es bleibt tatsächlich die Frage, worin  der Konnex zwischen der menschenrechtlichen Situation der Palästinenser und den Rechten von Homosexuellen in Israel bestehen soll. Nach dem gleichen Schema könnte man jede positive Anmerkung über den Staat Israel als Vertuschung bezeichnen, die den Konflikt mit den Palästinensern beschönigen will“.

Interessant ist die Behauptung Israel betreibe „Pinkwashing“ vor allem aber deshalb, weil es in Israel – vergleichsweise – überhaupt keine besonderen Rechte für Homosexuelle gibt. Sie sind einfach nur in den üblichen Antidiskriminierungsgesetzen mit eingeschlossen, die jede glaubwürdige Demokratie für sich beansprucht und Israel als einer der ersten Staaten unterschrieben und in die Gesetze eingepflegt hat. Außerdem ist es Homosexuellen, wie mittlerweile in vielen Staaten, erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen Kinder zu adoptieren. Von der Bevölkerung sind queere Menschen auf dem gleichen Niveau akzeptiert und toleriert wie in Europa und den USA. Israel feiert regelmäßig recht umworbene Gay-Paraden in Tel Aviv und Jerusalem, die, auch international, sehr beliebt sind und viele LGTBI-Tourist*innen anziehen, nicht zuletzt deshalb, weil es der einzige Ort in jenen Breitengraden ist, wo man so etwas überhaupt feiern kann. Israel ladet deshalb gezielt LGBTI-Menschen ein, bietet ihnen Schutz und wird dafür von LGBTI-Menschen im Westen verteufelt. Natürlich richtet sich dieser Vorwurf ausschließlich gegen Israel und trotzdem möchte die BDS-Fraktion (in die sich der Pinkwashing-Protest einbettet) darin keinen Antisemitismus erkennen.

Mensch kann es jedenfalls so zusammen fassen, dass Israel Homosexuelle wie die meisten demokratischen Staaten behandelt, es lebt und feiert auf ziviler Ebene Toleranz und Unterstützung und gesteht aber, wie ebenso immer noch viele demokratische Staaten, Homosexuellen keine Rechte wie die Ehe zu. Es anerkennt allerdings Homoehen, die im Ausland geschlossen wurden

In Israel ist generell eine Homoehe schwer vorstellbar, da das Eherecht im Vergleich zu anderen Demokratien besonders geregelt ist. Es gibt nämlich keine Zivilehe. Das Familienrecht ist von den Religionsgemeinschaften verwaltet und bekanntlich sieht weder die Kirche des Judentums, Christentums oder des Islam eine Homoehe vor. Dieser Umstand geht aus der Historie hervor, das osmanische Reich in Palästina trennte Familienrecht von Zivilrecht und Israel übernahm dies bei seiner Gründung um orthodoxe Jüd*innen und Muslim*innen in Palästina zu besänftigen. Auf Grund von Widerstand orthodoxer Parteien konnte die Knesset trotz mehrerer Versuche bis dato keine diesbezügliche Reform durchführen.

Und deshalb ist ausgerechnet der „Pinkwashing“-Vorwurf so spektakulär, denn da hätte die Anti-Israel-Fraktion einmal tatsächlich etwas in der Hand, das die Demokratiestruktur Israels fraglich aussehen ließe und sie übersehen es und machen sich kaum steigerbar unglaubwürdig, indem sie nicht dieses Unrecht anprangern, sondern den Hinweis auf das simple Recht Homosexueller in Israel zu existieren, ohne verfolgt oder umgebracht zu werden. Und auf lächerlichste Weise versuchen einen Zusammenhang zwischen diesem Recht und im Krieg umgekommener Palästinenser*innen herzustellen. So verzweifelt sind sie und so dringend ist es ihnen Israel zu diffamieren und zu stigmatisieren.

Gerade die Regelung des Ehe- und Scheidungsrechts auf kirchlicher Basis anstatt staatlicher und, zum Beispiel, die damit automatische Unmöglichkeit einer Homoehe ist wenigstens einmal ein echtes Manko der israelischen Demokratie, die ja angeblich nicht exisiert und wäre an sich sehr geeignet für diese indifferente Dämonisierungs-Fabrik linker Aktivist*innen gegen Israel, voraus gesetzt sie tun das, was sie am besten können, nämlich Kontexte weg lassen, wie zum Beispiel jenen, dass dieses Manko regelmäßig in der Knesset als reformbedürftig diskutiert und vermutlich auch bald reformiert wird. Sie aber empören sich über die öffentlich gelebte Toleranz und Unterstützung von Homosexuellen, die im Nahen Osten einzigartig ist und vielen LGBTI-Personen dort die einzige Hoffnung.

Dieser Mut zur Inszenierung und Demonstration der eigenen Ignoranz zur Pflege der intrinsischen, antisemitischen Ressentiments verlangt einem fast schon Bewunderung ab. Interessant wäre, ob sie auf die Straße gingen und gegen Israel demonstrierten, würden Homos in Israel diskriminiert. Oder ob sie dann zufrieden wären. Wenn es nicht so traurig wäre, wäre das alles direkt lustig.

paulaשspock

Weiterführender Artikel: „Eine Verschwörungstheorie namens Pinkwashing“  von Lizas Welt