Bea geht einsam auf einer grünen Wiese. Sie ist umringt von Waldrand. Wie ein Dorfplatz, den kreisförmig Häuser umschließen. Bea sieht zu Boden und zupft einen Grashalm ab. Sie führt ihn zwischen die Augen und schielt ihn an. Genervt wirft sie ihn zu Boden und geht weiter.

Genau in der Mitte des Wiesenkreises, liegt ein mittelgroßer Stein, vor dem sie stehen bleibt. Bea hebt den Stein auf. Darunter ist ein Loch. Sie sieht hinein und das Loch saugt sie ein. Bea ist vom Erdboden verschluckt.

Ein Raunen geht durch den Wald. Es raschelt und raunt, stetig lauter. Der Wald schluchzt zuerst leise auf, dann schluchzt er immer lauter. Bis er heult. Laut und als Chor, sein Echo vermischt sich vom einen Ende des Wiesenkreises zum anderen. Aus den Tannenspitzen und von den Baumkronen kullern dicke, runde, große Krokodilstränen. Und die Herzen fallen den Bäumen nach der Reihe aus. Sie liegen neben einander am Waldrand und pochen und bluten. Und werden übergossen von den dicken Tränen des heulenden Waldes. So geht das Stunden.

Plötzlich explodiert der Stein und Bea schießt kerzengerade aus dem Loch. Sie ist ein Feuerball. Bea bleibt meterweit über dem Boden schweben und speit Feuer, während sie sich um die eigene Achse dreht und die Kronen fangen Feuer.

Mir ist kalt. Und im Erdloch ist es fad. Ich spiele mit den nassen kleinen Erdbrocken von der Wand und lasse sie durch meine Finger kullern. Irgendeine Unruhe wirkt auf mich ein. Sie vibriert sanft in einem linearen Zug durch meine Adernstränge. Es steigert sich abrupt und rüttelt mich minutenlang, als plötzlich Bea vor mir auf die Erde plumpst. Und kurz so da liegt. Benommen richtet sie sich langsam auf und schimpft leise vor sich hin. Sie putzt sich den Dreck von der Kleidung. Ihre Brille hat einen Sprung. Was soll das, wo bin ich, was ist das?

Es war so schön ruhig hier und jetzt ist Bea da. Und es ist unruhig und laut und unangenehm. Meine Güte, setz dich doch einfach hin, es kann hier nichts. Sage ich.

Bea zupft hektisch an ihrem Rock und schüttelt ihre Haare und zupft an meinen Nerven. Sie schnauft aus. Ich drehe mich im Liegen um und kehre ihr den Rücken zu. Ich krümme mich seitlich sichelförmig und im Bogen meiner Körperinnenseite, rolle ich die kleinen Erdbrocken mit den Fingern umher.

Was ist jetzt? Fährt Bea mich an. Was machst du da? Warum sind wir hier? Und was soll das alles?

Du bist hier, weil du nicht woanders bist, sage ich gelangweilt. Du bist hier, weil du nicht weißt woanders zu sein, sage ich leise und uninteressiert.

Bea schnauft wieder wütend aus. Sie tastet die Wände ab und klopft dagegen. Sie bemerkt, dass ihre Hände davon schmutzig werden und ärgert sich darüber. Sie holt mit dem Fuß aus und stößt mich grob und schnell dreimal an. Was ist jetzt?! Hallo?!

Ja was denn, nichts. Sage ich. Dann schlafe ich ein. Als ich aufwache ist Bea nicht mehr da. Wider Erwarten macht mich das ein bisschen traurig. Dafür riecht es dezent verkohlt und verbrannt. Ob ich das Erdloch verlassen sollte um nachzusehen?

Ich krümme mich wieder seitlich am Boden und rolle die Erdbrocken hin und her. Was Bea wohl gerade macht? Und wo sie wohl ist? Ich entscheide mich hinauf zu steigen und nachzusehen. Mühsam richte ich mich auf, schüttle die Erdreste von mir und versuche mir die Haare glatt zu streichen. Ich gehe nur ein paar Schritte in Richtung Ausgang und sehe, dass er bereits offen ist. Und ein bisschen Licht einfällt.

Ich ziehe mich hoch und greife dabei in weichen Sand, der sich als graue Asche offenbart, als ich ganz aus der Erdunterfläche heraus trete. Der Anblick ist wüst, eine abgebrannte verkohlte Landschaft, verkohlte Zweige, abgebrannte Wiese, alles ist zu Staub verfallen. Vor meinen Augen eine Bleistiftzeichnung mit schwarzen, grauen und weißen Schatten.

Das war Bea. Sie hat alles angezündet und abgefackelt. Der arme Wald, armes Leben. Wo ist sie? Ich laufe die Landschaft ab, bis an den Rand eines Abgrunds.

Da sehe ich Bea, sie küsst einen Prinz. Ich gehe auf sie zu, sie bemerken mich und grüßen mich nett. Ich lächle sie an, hole weit mit den Armen aus und stoße sie die Klippe hinab. Sie sind tot und liegen viele Meter unter mir. Kurz zucken sie noch auf. Ich laufe noch einmal zurück und hole den Stein, renne wieder zum Rand und werfe ihn auf sie hinab. Er liegt jetzt auf Bea und man sieht sie nicht mehr. Der Stein hat Bea in den Boden eingestampft.

Ich schicke noch einen Luftkuss hinab und gehe zurück in das Erdloch. Dort krümme ich mich seitlich auf dem Boden und rolle im Bogen meiner Körperinnenseite die kleinen Erdbrocken auf und ab.

2017