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Prosa

Ein Vogel, das Blau

In Blau verschwinde ich im Hintergrund der Sommertöne, ein Mensch spricht mit mir, aber ich weiß nicht was, er scheint verirrt.

Ein Vögelchen setzt sich auf seinen Kopf, ich denke mir: ja das passt! Es mag nicht wegfliegen, es weiß nicht wohin. Ja, von diesem Kopf aus, da weiß man nicht wohin, da gibt es keine Himmelsrichtung.

Der Himmel ist ein weites Blau, in dem ich verschwinde und der Mensch spricht Töne, aber ich weiß nicht welche. Ich weiß nicht ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter. Ich bin Sommer, aber was er ist, das weiß ich nicht.

Seine Augen sind Blau wie ein Swimming Pool. Damit schaut er mich an, mir wird traurig in der Brust, da ist Trauer in den Augen. Da ist was gestorben. Vor langer Zeit. Weiterlesen „Ein Vogel, das Blau“

Bea ist vom Erdboden verschluckt

Bea geht einsam auf einer grünen Wiese. Sie ist umringt von Waldrand. Wie ein Dorfplatz, den kreisförmig Häuser umschließen. Bea sieht zu Boden und zupft einen Grashalm ab. Sie führt ihn zwischen die Augen und schielt ihn an. Genervt wirft sie ihn zu Boden und geht weiter.

Genau in der Mitte des Wiesenkreises, liegt ein mittelgroßer Stein, vor dem sie stehen bleibt. Bea hebt den Stein auf. Darunter ist ein Loch. Sie sieht hinein und das Loch saugt sie ein. Bea ist vom Erdboden verschluckt.

Ein Raunen geht durch den Wald. Es raschelt und raunt, stetig lauter. Der Wald schluchzt Weiterlesen „Bea ist vom Erdboden verschluckt“

Dorian Herzlos, Part eins

Dorian

Mein Name ist Dorian. Und ich kann nicht akzeptieren, dass die Liebe das lebenserhaltende Prinzip ist, die Urschöpfung jeder Sinnverleihung und der Inhalt jeder Form. Weil ich glaube, dass es krank ist. Außerhalb der Liebe ist alles matt und krüppelhaft, ein Abklatsch, die Farce. Vielleicht gibt es außerhalb ihr auch nichts. Es ist rückgratlos, abhängig und bedürftig ihr nachzuhängen. Und allzu bedürftig sein ist demütigend. Schulz von Thun kennt unter anderen den bedürftig-abhängigen Kommunikationsstil solcher Leute. Sich als schutzlos und klein inszenieren und immer um Hilfe betteln, jämmerlich.

Am Schlimmsten ist, wenn sich zwei dieser Bedürftigen finden und in ihrer totalen Hingabe zum anderen, sich gegenseitig und der ganzen Welt zeigen wie bedürftig, abhängig und unselbstständig sie sind. Als würden sie in Leuchtschrift auf dem dunklen, unendlichen Firmament ihrer Hilflosigkeit ihre Unzulänglichkeit als Soloinstrument zeichnen und als wären sie ohne den anderen nur auf einem Bein durch die Welt gehumpelt, erbärmlich. Und darauf weisen sie noch mit Stolz hin, wenn sie Liebeslieder singen und Heiratsanträge sülzen, lächerlich, abstoßend. Weiterlesen „Dorian Herzlos, Part eins“

Auf Spock

Spock kennt eine Ursache und eine Wirkung, Legitimation und Fehlleitung. Am Ergebnis orientiert. Das Ziel ist Ordnung und Vorhersehbarkeit/Vorausschau/Berechenbarkeit/Berechnung. Das Ziel ist Gleichgewicht. Spock ist nicht dynamisch, Spock ist linear und pragmatisch. Es gibt Objekte, Verhältnisse und Möglichkeiten. Es gibt die Analyse und die Ableitung.

Die Welt auf Spock ist 2D. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Atmosphäre. Zwischen ihm und der Welt ist eine Glasscheibe, durch die hindurch er die sich dahinter bewegenden Bilder, Objekte und Hintergründe registriert und analysiert.

Die Atmosphäre ist dynamisch. In ihr steht alles in Kontakt zu einander, es existieren Inhalte, die in direkter Kommunikation mit einander stehen und deswegen unter gegenseitigem Einfluss und Wechselspiel. Es gibt keine klare Unterscheidung zwischen den Dingen und dem Selbst, sie pausen sich im Verhältnis zu einander ab. Die Unterscheidung ist vage, die eigene Bewegung bewegt die Objekte der Umgebung und die Bewegung der anderen Objekte bewegt das Selbst mit. In der Atmosphäre sind die Dinge an einander angepasst, sie stehen in Relation zu einander und richten sich so aus, wie es das Verhältnis und die Beschaffenheit der Konstellationen anzeigt. Die Atmosphäre ist 3D. Weiterlesen „Auf Spock“

Jugend in einer österreichischen Stadt

[Titel geliehen von Ingeborg Bachmann]

Intro: Es ist noch dunkel auf dem Weg zur Bushaltestelle. Die Großen rauchen. Wir interessieren uns für die Großen und warten auf den Ödipus. Wir rauchen härter.

Lost Ones: Wir sind gezeichnet, wir sind allein. Phantasielos stehen wir vor den Scherben unserer Kindheit und fühlen uns besonders, weil wir mehr verloren haben und tiefer gehen als die anderen. Niemand versteht uns und wir philosophieren über unsere Identitäten. Der Bauer von nebenan hat sich im Keller erhängt. Wir finden das tragisch und sind eingebildet, denn es war der Bauer, den wir immer bemitleideten, sowie sein ganzes konventionelles Dasein und seine Versklavung zur Arbeit.

Ex Factor: Unsere Gesichter sind eingefroren vor nackter Angst, wir haben Vertrauen auserkoren als Angelpunkt aller Experimente, die wir brennen miteinander zu teilen. Niemand glaubt uns, dass wir lieben, aus tiefstem Herzen und mit schlimmen Schmerzen. Wir legen den Namen, den wir erhoffen, in einen Stern, den wir uns im Garten unseres Elternhauses aussuchen und beschwören. Wir behauchen ihn mit unserem sichtbaren Atem mitten im Dezember. Unsere Eltern sind abgestumpft und treten Mühlen in ihrer Ehe, die nichts mit der wahren, innigen Liebe zu tun hat, die wir erspüren, wenn der Name auftaucht und bitterlich wieder verschwindet. Weiterlesen „Jugend in einer österreichischen Stadt“

Summa Sentimental

Die Erwachsenen trauern leise um sich selbst, weil sie statt etwas anderem Wut geworden sind. Sie verstehen nicht traurig zu sein oder Angst zu haben. Sie sind kraftvoll und übergeordnet, wie Momo´s graue Männer. Die schlafen nicht.

Die beste Jahreszeit um das Denken atmen zu lassen, Stunden verloren in Gedanken und außerhalb von Raum und Zeit zu verbringen, mit stiller, heimeliger Müdigkeit den Trott blasser und lose hängender Gedankenexzerpte zu zu lassen, ist der immer kälter werdende Herbst. Wenn das schlechte Gewissen nicht mehr quält, bei schönem Wetter zu Hause zu hocken und in den Fernseher zu starren, wenn es früh dunkel ist und man aus dem Fenster schaut, um sich wieder zu verlieren. Man denkt an die Menschen und deren Gebärden, deren Verhalten und denkt an sie, wie sie in der Kälte stehen und plötzlich diesen Blick bekommen, den man nur wenn es kalt ist bekommt. Da wird einem die wesenszügige Traurigkeit bewusst, das Sentimentale und die fast schon rührende Unbeholfenheit, die so einer verlorenen Seele tief zu Grunde liegt, wenn man sie so ansieht, selbst gefangen in der Einsamkeit, der man in jedem Moment versucht zu entrinnen. Man beginnt sich in der Schläfrigkeit, der Stille, als ob alles um Ruhe bitten würde, zu erkennen, man wird ganz ruhig. Ich sehe die Welt von außen, ich sehe sie mir an, sehe sie in Bewegung.

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